Lokaljournalismus und Gemeindekommunikation in der digitalen Transformation

Das Projekt zeigt, wie sich Lokaljournalismus und Gemeindekommunikation durch die Digitalisierung verändern – und was das für Demokratie, Öffentlichkeit und Informationsqualität bedeutet.
Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)
Bisher war unklar, wie sich der Strukturwandel im lokalen Mediensystem auf die inhaltliche Qualität der Lokalkommunikation auswirkt – und welche Bedingungen eine unabhängige lokale Öffentlichkeit sowie die Informationspflicht der Gemeinden in der digitalen Welt unterstützen. Um dies zu klären, untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Matthias Künzler (Fachhochschule Graubünden) die Organisationsstrukturen einiger Lokalmedien sowie die Kommunikationsaktivitäten der Gemeinden in der Schweiz. Analysiert wurden dabei insbesondere die inhaltliche Leistung im Hinblick auf Informationsauftrag, Unabhängigkeit, politische Relevanz, Kritik- und Kontrollfunktion. Auf Basis dieser Daten zeigte das Projekt auf, welche Faktoren den nachhaltigen Erfolg lokaler Medien begünstigen – und wie dadurch eine unabhängige Öffentlichkeit erhalten werden kann.
Hintergrund
Die digitale Transformation hat die lokale Medienlandschaft geschwächt und ausgedünnt. In den USA hat dieser Prozess sogar zum Phänomen der Nachrichtenwüsten (Regionen ohne lokale Medien) geführt. Die negativen Folgen für die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt sind dokumentiert. Angesichts der allgemein schlechten Datenlage in der Schweiz zu lokalen Medien und lokaler Kommunikation liefert dieses Forschungsprojekt erstmals die Grundlage für die Analyse der Entwicklung lokaler Medien und kommunaler Kommunikation als Voraussetzung für eine lebendige Demokratie.
Ziel
Ziel des Projekts war es, den Stand des Lokaljournalismus und der Gemeindekommunikation in der Schweiz - und anhand ausgewählter Beispiele - auch in den Nachbarländern zu untersuchen. Der Lokaljournalismus, der durch sinkende Auflagen und Leserschaft gekennzeichnet ist, hat in bestimmten Regionen zu einem Informationsvakuum geführt, das von den Gemeinden zunehmend durch eigene Kommunikationsmassnahmen gefüllt wird. Das Projekt untersuchte diese Situation und entwickelte Massnahmen und Empfehlungen zur Förderung der lokalen Kommunikation.
Bedeutung
Die Medienpolitik erhält mit der Analyse inhaltlicher Leistungen verschiedener Typen von Lokaljournalismus und Gemeindekommunikation eine Entscheidungsgrundlage, wie sich die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Lokalkommunikation gestalten lassen. Privaten Medienanbietern und Gemeinden wurde eine Toolbox innovativer Instrumente in Form von Leitfäden zur Bewältigung der digitalen Transformation zur Verfügung gestellt.
Ergebnisse
Die Schweizer Medienlandschaft steht unter Druck: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl lokaler Zeitungen um 23 % gesunken. Zwar nehmen Online-Angebote zu, doch können sie diesen Rückgang nur teilweise kompensieren. Textbasierte Inhalte dominieren weiterhin, werden aber zunehmend durch Videos und visuelle Formate ergänzt – besonders auf Social Media. Gleichzeitig kämpfen viele Redaktionen mit finanziellen Engpässen und dem Mangel an lokal verankerten Fachkräften. Gemeinden wiederum investieren mehr in ihre Kommunikation: Sie bauen Websites aus, veröffentlichen Gemeindebriefe und entwickeln Kommunikationsstrategien. Digitale Formate wie Apps oder Podcasts bleiben aber die Ausnahme – oft aus Ressourcengründen.
Drei Hauptbotschaften
Die frühere Symbiose zwischen lokaler Medienberichterstattung und kommunaler Verwaltung droht sich weiter aufzulösen. Wenn lokale Medien nicht mehr als „vierte Gewalt“ in der Demokratie wahrgenommen werden, stellt das langfristig eine ernsthafte Bedrohung für den Fortbestand der Demokratie dar.
Gemeinden haben einen gesetzlichen Informationsauftrag.
Sie müssen diesen erfüllen – und durch die digitale Transformation stehen ihnen neue Kanäle zur Verfügung. Die zentrale Herausforderung besteht derzeit darin, zu definieren, wie weit dieser Informationsauftrag reicht und wo die Grenze zwischen journalistischer Berichterstattung und Gemeindekommunikation verläuft.Die Inhalte der Schweizer Lokalmedien unterscheiden sich stark – je nach Rahmenbedingungen. Besonders die Finanzierungsform beeinflusst den Inhalt: Lokal finanzierte Medien zeigen den stärksten Fokus auf lokale Themen.
Originaltitel
Local journalism and municipal communication under digital transformation
